Von bekannten Codes wie der „88“ für „Heil Hitler“ oder blauen Herzen (💙) als Identifikation mit rechtsextremen Positionen, bis zu weniger populären Symbolen, wie dem in antisemitischen Kontexten verwendeten Saft-Emoji (🧃) oder dem Ausdruck „Anti-DEI“ als Ablehnung von Diversität: Auch im Gaming treten rechte und rechtsextreme Codes an unterschiedlichen Stellen auf. Ob im Livestream, im Ingame-Chat oder in der Profilbeschreibung im Steam-Profil, Symbole und Codes werden auch hier als Erkennungszeichen von Rechtsextremen genutzt. Viele sind für Außenstehende auf den ersten Blick nicht eindeutig zu erkennen und funktionieren als sogenannte „Dogwhistles“, also als Codes, die primär von der eigenen Gruppierung erkannt werden sollen und Identität und Zusammengehörigkeit generieren. Gleichzeitig lässt sich durch diese codierte Sprache Anfeindungen und Ablehnung gegenüber Menschengruppen formulieren, ohne sie explizit auszusprechen.
Nicht jede Person, die ein entsprechendes Symbol nutzt, ist gleichzeitig Teil einer rechtsextremen Lebenswelt. Viele Symbole wie das OK (👌) – oder Clown (🤡) -Emoji werden auch in alltäglicher Kommunikation genutzt und sind hier in der Regel nicht problematisch. Daher bleibt der Kontext, in dem ein vermeintlicher Code genutzt wird, zentral. Während ein👌im Discord Chat auch als bloße Zustimmung gemeint sein kann, ist seine Bedeutung in einer Diskussion über eine angeblich schädliche Diversität im Gaming vermutlich eine andere und unterstreicht eine Befürwortung von „White Power“ und eine Ablehnung nicht weißer Spielfiguren. Neben der eigentlichen Bedeutung der Codes und Symbole ist also stets auch der Kontext, in welchem diese Abkürzungen genutzt werden, relevant.
Rechtsextreme Symbolik, Antisemitismus und Verschwörungsdenken
- 88 – Zahlencode für „Heil Hitler“, weil H der 8. Buchstabe im Alphabet ist.
- 18 – Zahlencode für „Adolf Hitler“. Steht für den 1. und den 8. Buchstaben im Alphabet.
- 28 – Zahlencode für „Blood and Honor“, ein internationales neonazistisches Netzwerk.
- 14 Words – Eine international gebräuchliche rechtsextreme Parole. Die Zahl 14 bezieht sich auf einen Slogan zur Erhaltung der „weißen Rasse“. Im Internet dient sie häufig als Erkennungszeichen innerhalb der Alt-Right-Szene.
- 1488 – Kombination aus „14 Words“ und „88“. Zentraler neonazistischer Zahlencode.
- 271k – Antisemitischer Code für die Leugnung des Holocaust. Steht für die Falschbehauptung, dass während des Holocaust nur 271.000 Jüdinnen und Juden ermordet wurden.
- Blitz-Emoji⚡– Paarweise verwendet, dient es als Chiffre für die verbotenen SS-Siegrunen. Da die Darstellung der Originalrunen in Deutschland strafbar ist, wird das Emoji als Ersatzsymbol verwendet, um eine nationalsozialistische Gesinnung auszudrücken und Online-Filter zu umgehen.
- Person mit erhobener Hand🙋 – Dieses harmlos wirkende Emoji wird von Rechtsextremen als Symbol für den verbotenen Hitlergruß genutzt.
- Kugelschreiber-Emoji🖊️ – Kann in antisemitischen Kontexten auf die widerlegte Falschbehauptung anspielen, Anne Franks Tagebuch sei gefälscht. Damit dient der Code als Holocaustleugnung oder -relativierung.
- Holztür-Emoji🚪– Code für Holocaustleugnung. Er bezieht sich auf die antisemitische Falschbehauptung, dass Gaskammern aufgrund angeblicher Holztüren technisch unmöglich gewesen seien, um so den Massenmord als Lüge darzustellen.
- Saft-Emoji🧃– Codierter Antisemitismus. Da das englische Wort „juice“ ähnlich wie „Jews“ klingt, wird es verwendet, um antisemitische Äußerungen zu verschleiern und Online-Filter oder Moderationsregeln zu umgehen.
- Vampir-Emoji🧛– Kann in antisemitischen Kontexten an alte Bilder vom „blutsaugenden“ Judentum oder an Ritualmord-Erzählungen anschließen.
- Schaf-Emoji 🐑 – Kennzeichnet Menschen als vermeintliche „Schlafschafe“. Der Begriff wird in verschwörungsideologischen Kreisen verwendet, um Menschen als naive, unkritische Mitläufer*innen der Politik und der Medien zu diskreditieren.
- (((Echo))) – Antisemitischer Online-Code, bei dem Namen oder Begriffe in dreifache Klammern gesetzt werden, um sie als jüdisch zu markieren.
- Schwarze Sonne – Esoterisch-neonazistisches Symbol, stark mit SS-Ästhetik, White Supremacy und rechter Mythologie verbunden.
- Kulturmarxismus – Rechte Verschwörungserzählung, nach der progressive Politik, Feminismus oder Antirassismus Teil einer gezielten kulturellen Zersetzung seien. Häufig antisemitisch aufgeladen.
- Globalisten/Globalismus – In rechten Verschwörungserzählungen ein Code für eine angeblich alles kontrollierende globale Elite. Häufig anschlussfähig an antisemitische Weltverschwörungsnarrative.
- NWO – Steht für „New World Order“ und bezeichnet eine Verschwörungserzählung über eine angeblich geplante Weltdiktatur. Der Begriff fungiert oft als antisemitischer Code für Narrative über geheime Eliten, die im Verborgenen die Weltpolitik steuern.
- Blackrock – Ein real existierender Vermögensverwalter, der in Verschwörungserzählungen als Chiffre für die „globalistische“ Finanzmacht und die angebliche Steuerung von Politik, Medien und Kultur herangezogen wird.
Rassismus, Nationalismus und rechte Kulturkämpfe
- Adler-Emoji 🦅– Der Adler ist das offizielle Wappentier Deutschlands und steht für nationale Stärke, Macht oder Souveränität. Er dient oft als „Dog Whistle“ für nationalistische oder völkische Gesinnung, um Verbundenheit innerhalb der Szene zu demonstrieren.
- Blaue Herzen 💙 – Dient in Deutschland häufig als Signal für die Sympathisierung mit der AfD (Parteifarbe). Es wird zur Markierung von Zustimmung in rechten Online-Diskursen genutzt. Da es ein Standard-Emoji ist, bleibt die Einordnung jedoch kontextabhängig.
- OK-Handzeichen👌 – Das Symbol steht im Alltag meist für Zustimmung. In rechten Online-Kontexten kann es aber als „White Power“-Anspielung genutzt werden, besonders in Kombination mit rassistischen Aussagen oder weiteren Szenecodes.
- Milch-Emoji🥛 – Wird in alt-right- und White-Supremacy-Kontexten als rassistischer Code für die Vorstellung der sogenannten „weißen Überlegenheit“ verwendet. Er basiert auf der Falschbehauptung, dass Laktosetoleranz ein Beweis für die biologische Überlegenheit weißer Menschen sei. In Kommentarspalten kann er als subtiler Hinweis auf eine völkische Ideologie dienen.
- Clown-Emoji 🤡– Wird oft verwendet, um Aussagen oder Personen als lächerlich zu kennzeichnen. In rechten Kreisen bezieht sich der Begriff häufig auf „Clown-World“, d.h. die Vorstellung, dass progressive politische Maßnahmen, die auf soziale Gerechtigkeit und Gleichheit abzielen, absurd oder lachhaft sind.
- Kombination 🫸☪️ – Code für Islamfeindlichkeit. Die Geste der „wegschiebenden Hand“ symbolisiert die aktive Ablehnung des Islam und den Wunsch, muslimisches Leben oder religiöse Symbole aus der Gesellschaft zu verdrängen.
- (Anti-)Woke – Der Begriff „woke“ hat seinen Ursprung in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und stand ursprünglich für Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung. Heute fungiert er in erster Linie als politischer Kampfbegriff, der den Widerstand gegen progressive Anliegen wie Antirassismus, Feminismus und LGBTQIA+-Rechte vereint. Er wird verwendet, um Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit als ideologische Bevormundung oder Bedrohung traditioneller Werte zu diskreditieren. Aufgrund seiner vagen Definition dient er als flexibles Feindbild und Sammelbecken für reaktionäre Bewegungen.
- DEI – „Diversity, Equity and Inclusion“ umfasst Konzepte zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit. Rechte und rechtsalternative Milieus nutzen das Kürzel als Kampfbegriff, um soziale Gerechtigkeit als eine vermeintlich aufgezwungene Ideologie zu diskreditieren.
- ESG – Die Abkürzung steht für „Environmental, Social and Governance“ (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Eigentlich handelt es sich dabei um Wirtschaftskriterien, wird jedoch in rechten Kulturkampf-Debatten als angeblicher Beweis angeführt, dass Unternehmen „woke“ Inhalte erzwingen.
- Libtard – Ableistische Beleidigung aus rechten Kreisen gegen Liberale oder Linke. Er markiert politische Gegner*innen als dumm, indem er deren Überzeugungen mit einer geistigen Behinderung gleichsetzt und sie so herabwürdigt.
- Snowflake – Abwertende Bezeichnung für angeblich überempfindliche, progressive Menschen. Der Begriff wird verwendet, um Kritik an Diskriminierung als Ausdruck persönlicher Schwäche darzustellen und damit soziale Anliegen zu delegitimieren.
- Feminazi – Misogyner Kampfbegriff, der Feminismus diffamierend mit Nationalsozialismus gleichsetzt und dazu dient, Gleichstellungsbestrebungen als extremistisch zu brandmarken.
- Großer Austausch / Umvolkung – Rassistische Verschwörungserzählung, nach der die „einheimische“ oder weiße Bevölkerung gezielt durch Migration ersetzt oder kulturell „umgeformt“ werde. Häufig verbunden mit der antisemitischen Vorstellung, eine „globale Elite“ würde diese Prozesse steuern.
- Remigration – Euphemistischer Begriff für massenhafte Verdrängung oder Abschiebung von Migrant*innen und als „nicht deutsch“ markierten Menschen.
Online-Kultur, Gaming und Geschlechterbilder
- Gamer – Streng genommen bezieht sich der Begriff auf jeden, der Videospiele spielt. Oft wird er jedoch als exklusives Label genutzt, um festzulegen, wer zur Community gehört und wer nicht. Diese Abgrenzung dient meist dazu, die Gaming-Kultur vor äußeren Einflüssen abzuschirmen und die Zugehörigkeit zu kontrollieren. Statistisch gesehen sind es überwiegend Männer, die den Begriff zur Selbstbeschreibung verwenden.
- Hardcore vs. Casual Gamer – Eine wertende Unterscheidung zwischen vermeintlich „echten“ Spieler*innen und solchen, die als weniger legitim angesehen werden. Diese Einteilung dient oft als Instrument des Gatekeepings, um Expert*innenstatus zu beanspruchen und marginalisierte Gruppen oder Gelegenheitsspieler*innen bewusst aus der Gaming-Community auszuschließen.
- Gamergate – Eine Online-Kampagne ab 2014, die sich als Kritik am Videospieljournalismus inszenierte, sich jedoch als koordinierte Hetzkampagne gegen Frauen, queere Menschen und progressive Stimmen in der Gaming-Branche entpuppte. Heute gilt Gamergate als Blaupause für den rechten Kulturkampf im Internet und als wichtiger Wegbereiter der US-amerikanischen Alt-Right-Bewegung.
- Sweet Baby Inc. – Ein Beratungsstudio, das Spieleentwickler*innen bei der Darstellung vielfältiger Geschichten und Figuren unterstützt. In rechten Gaming-Debatten wurde es zum Feindbild für angeblich erzwungene Diversität in Games.
- DEI detected – Abwertendes Label, mit dem Videospiele als „ideologisch“ abgestempelt werden. Es dient als Warnung vor Games, die Diversität beinhalten (z. B. nicht-weiße oder queere Charaktere) und unterstellt diesen eine rein politische Agenda. Damit wird zum Boykott vermeintlich „woker“ Spielinhalte aufgerufen.
- Normies – Abwertende Bezeichnung für „normale“ Menschen außerhalb der eigenen Online-Subkultur. Der Begriff dient dazu, die eigene, überlegene „In-Group“ von einer als ahnungslos oder angepasst wahrgenommenen „Out-Group“ abzugrenzen.
- NPC – Abkürzung für „Non-Player Character“ (computergesteuerte Spielfigur). Es wird als entmenschlichender Code gegen politische Gegner*innen genutzt, um diesen die Fähigkeit zu eigenständigem, kritischem Denken abzusprechen.
- Pepe der Forsch / Frosch-Emoji 🐸 – Ein ursprünglich neutrales Internet-Meme, das von der Alt-Right-Bewegung für rassistische und rechtsextreme Propaganda instrumentalisiert wurde. Da Pepe in der Gaming- und Popkultur weiterhin massenhaft unpolitisch genutzt wird, ist die Einstufung als rechter Code sehr kontextabhängig.
- Based – Signalisiert Anerkennung für eine Haltung, die sich bewusst gegen gesellschaftliche Erwartungen stellt. In rechten und rechtsalternativen Milieus fungiert der Begriff als Lob für reaktionäre Aussagen oder gezielte Tabubrüche, um diese als mutig und „authentisch“ aufzuwerten. Allerdings wird der Begriff auch vermehrt in anderen politischen Kontexten genutzt.
- Incel – Abkürzung für „Involuntary Celibate“ (unfreiwilliger Zölibatär). Bei dieser Subkultur handelt es sich um Männer, die ihren mangelnden Erfolg bei Frauen als systematische Unterdrückung interpretieren. Ihre Weltanschauung ist geprägt von tiefer Frauenfeindlichkeit, extremem Selbstmitleid und der Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen und sexuell erfolgreiche Männer.
- Redpill – Beschreibt eine verschwörungsideologisches Weltbild, die in Antifeminismus und reaktionären Idealen verwurzelt ist. In Anlehnung an den Film „Matrix“ propagiert der Begriff ein angebliches Erwachen aus einer gesellschaftlichen Täuschung. Er behauptet die Existenz einer Femokratie zur Unterdrückung der Männer und dient oft als Einfallstor für rechtsextreme und antisemitische Weltanschauungen.
- Blackpill – Die nihilistische und fatalistische Weiterentwicklung der Redpill. Basiert auf der Vorstellung, dass der Erfolg eines Mannes ausschließlich von unveränderlichen genetischen Merkmalen wie dem Aussehen bestimmt werde. Innerhalb der Incel-Subkultur dient diese Weltanschauung als Rechtfertigung für tiefgreifenden Frauenhass, totale Resignation und potenzielle Gewaltbereitschaft.
- Looksmaxxing – Bezieht sich auf den zwanghaften Wahn, das eigene Aussehen drastisch zu verändern, um den eigenen „Marktwert“ zu steigern. Das Spektrum reicht von harmloser Körperpflege bis hin zu gefährlichen Eingriffen wie dem Zertrümmern von Gesichtsknochen (Bonesmashing). Diese Ideologie, die ihren Ursprung in der Incel-Szene hat, reduziert Menschen rein auf ihre Gene und schürt Selbsthass und Frauenfeindlichkeit.
- Chad – Innerhalb der Incel-Community bezeichnet dieser Begriff einen vermeintlich genetisch überlegenen und sexuell erfolgreichen Mann. Er dient als feindseliges Idealbild und stützt eine Hierarchie, in der sich die Nutzer selbst als minderwertig definieren.
- Giga-Chad 🗿 – Steht für idealisierte Hypermaskulinität. Nicht per se rechtsextrem, wird aber in der Manosphere und in rechten und rechtsalternativen Räumen oft als Bild dominanter „natürlicher“ Männlichkeit genutzt.
- Foid/Femoid – Entmenschlichender Begriff für Frauen, der sich von „female humanoid“ ableitet. Der Begriff entstammt der Incel-Szene und spricht Frauen gezielt das Menschsein ab, um sie auf rein biologische Funktionen zu reduzieren.
- Soyboy – Abwertender antifeministischer Begriff für Männer, die als weich, progressiv, feministisch oder „unmännlich“ markiert werden. Der Begriff stützt rechte und misogyne Vorstellungen von „echter“ Männlichkeit.
- Kiwi-Emoji 🥝 – Erkennungssymbol der transfeindlichen TERF-Szene. Es signalisiert die Ablehnung von Trans-Identitäten. Der Ursprung liegt in einem Vortrag, in dem die Frucht als (pseudo-)wissenschaftlicher Beleg für die biologische Zweigeschlechtlichkeit genutzt wurde.



