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„Ich wünsche mir, dass mehr Menschen aufstehen, wenn sie Ungerechtigkeit sehen.“

FiNessi streamt auf Twitch nicht nur klassischen Gaming-Content, sondern veröffentlicht auch Talks und Bildungsinhalte.

Gaming und politische Aufklärung gehören auf dem Twitch-Kanal von FiNessi fest zusammen. Seit 2020 streamt sie nicht nur Gameplay, sondern nutzt ihre Reichweite ganz bewusst für gesellschaftliche Themen. Als trans Frau spricht sie in ihren Talks Probleme an, die oft wehtun, von Queerfeindlichkeit bis hin zum Rechtsruck im Netz. Wir haben uns mit FiNessi über brennende Chats unterhalten, über den Verlust von Empathie und darüber, warum die Gaming-Welt trotzdem noch voller Hoffnung steckt.

FiNessi, Du bist seit 2020 auf Twitch aktiv und sprichst ganz unterschiedliche politische Themen an. Bei welchem Thema haben Dich die Reaktionen aus Deiner Community am meisten überrascht?

Interessanterweise haben mich die Meinungen innerhalb meiner Community eher selten überrascht. Natürlich gibt es hier und da mal intensivere Diskussionen, aber insgesamt zieht mein Content und meine Persona als trans Frau, denke ich, eher offene und progressive Menschen an. Ein Thema, das allerdings lange Zeit immer wieder dafür gesorgt hat, dass der Chat „brennt“, war Veganismus. Inzwischen hat sich das aber deutlich gelegt und wir können mittlerweile auch darüber ruhig diskutieren.

Viel interessanter fand ich oft die Themen, welche die Community verlassen haben und was daraus teilweise gemacht wurde. Das waren häufig eher unwichtige Themen, die sich aber natürlich leicht polarisieren und zuspitzen lassen. Spannend ist dabei auch immer zu sehen, wie schnell sich Falschinformationen verbreiten und festsetzen können.

Gerade in der aktuellen Zeit, in der Fakten zunehmend an Gewicht verlieren, finde ich es wichtig, weiterhin gewisse Denkmuster zu hinterfragen und stärker darauf zu achten, woher Informationen stammen und welche Accounts oder Quellen man konsumiert.

Auf Twitch nutzt FiNessi ihre Reichweite für gesellschaftliche Talks und klare politische Aufklärung.

Warum ist es für Dich so wichtig, neben Gaming-Content auch Streams und Aufklärungsarbeit zu gesellschaftlichen Themen anzubieten? 

Es ist wichtig, nicht nur Repräsentation zu zeigen, sondern auch darüber zu sprechen, was Menschen erleben und wie bestimmte Strukturen entstehen. Zum Beispiel Rassismus, Queerfeindlichkeit oder die wirtschaftliche Ausbeutung von Mensch und Natur. Nur wenn wir diese Strukturen verstehen, können wir auch effektiv etwas dagegen tun.

Außerdem vermisse ich vor allem in sozialen Netzwerken immer häufiger Empathie in Diskussionen. Das Gute daran ist aber: Empathie kann man lernen. Und wie sollte das besser funktionieren als miteinander und voneinander?

Ich selbst habe durch die unterschiedlichsten Menschen in meiner Community unglaublich viel gelernt. Und ich hoffe natürlich, dass auch andere etwas aus meinen Streams für sich mitnehmen können.

Besonders in der Indie-Games-Szene gibt es heute eine große Vielfalt und deutlich mehr Diversität, was mich persönlich sehr freut.

Wir bei Good Gaming Support thematisieren stets sowohl die Schattenseiten als auch die positiven Aspekte der Gaming-Kultur. Welche Entwicklungen fallen Dir im Moment besonders auf?

Ich glaube, wir erleben aktuell eine sehr zwiegespaltene Entwicklung. Auf der einen Seite sehen wir, wie sich vor allem junge Männer zunehmend radikalisieren. Ich erlebe das leider selbst regelmäßig, weil ich täglich im Online-Gaming unterwegs bin. Mich besorgt sehr, dass bestimmte Beleidigungen und problematische Sichtweisen mittlerweile wieder deutlich salonfähiger geworden sind. Man merkt hier den gesellschaftlichen Rechtsruck und den Einfluss rechtsextremer Parteien auf soziale Medien sehr deutlich.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Games und Communitys, die sich sehr progressiv entwickeln. Besonders in der Indie-Games-Szene gibt es heute eine große Vielfalt und deutlich mehr Diversität, was mich persönlich sehr freut. Viele Entwickler*innen setzen inzwischen bewusst auf offenere Geschlechtsoptionen im Charaktereditor oder integrieren diverse Charaktere ganz selbstverständlich in ihre Spiele. Nicht als „Gag“, sondern als normale Menschen mit eigenen Zielen, Wünschen und Geschichten.

Auch die Community im Indie-Bereich ist in den letzten Jahren stark gewachsen, was zeigt, dass definitiv ein Bedarf dafür besteht. Aber Fortschritte gibt es nicht nur im Indie-Bereich. Auch große Unternehmen wie RIOT setzen in Spielen wie League of Legends oder Valorant zunehmend auf queere Charaktere und mehr Repräsentation von BPoCs. Wie sich die Gaming-Kultur insgesamt weiterentwickelt, hängt meiner Meinung nach aber auch stark davon ab, wie sich die gesellschaftliche und politische Lage in den nächsten Jahren verändert.

Es ist unglaublich belastend, immer wieder sexistische oder transfeindliche Kommentare ertragen zu müssen. Vor allem, wenn man sich dabei alleine gelassen fühlt.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft im Gaming? Was müsste sich Deiner Meinung nach ändern?

Ich wünsche mir sehr, dass mehr Menschen aufstehen und einschreiten, wenn sie Ungerechtigkeit sehen oder hören. Es ist unglaublich belastend, immer wieder sexistische oder transfeindliche Kommentare ertragen zu müssen. Vor allem, wenn man sich dabei alleine gelassen fühlt. Und ich glaube, genau dieses Gefühl haben aktuell sehr viele Menschen. Deshalb wünsche ich mir mehr Umsicht, mehr Empathie und mehr gegenseitige Unterstützung, statt Menschen gezielt anzugreifen oder auszugrenzen.

Von Unternehmen und der Politik wünsche ich mir außerdem, dass stärker gegen den wachsenden Rechtsextremismus und Hass vorgegangen wird. Im Online-Bereich braucht es unter anderem eine konsequentere Moderation bei Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung, eine stärkere Eindämmung problematischer KI-Inhalte sowie klarere Regulierungen für die Algorithmen sozialer Netzwerke.

Außerdem braucht es mehr Verständnis seitens der Behörden für Gewalt und Hass in Gaming-Räumen. Online-Hass wird oft nicht als „real“ wahrgenommen, obwohl er sehr reale Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit von Menschen haben kann. Daher ist es auch so wichtig, was ihr hier mit Good Gaming Support aufgebaut habt!

Und zu guter Letzt: Wo findet man Dich überall und welche Events stehen bei Dir an?

Man findet mich hauptsächlich auf Twitch und Instagram unter „FiNessi“. Aktuell befinde ich mich noch in einer kleinen Auszeit, unter anderem aufgrund der oben genannten Punkte. In Zukunft wird man mich dort aber auch wieder regelmäßig live sehen können. Geplant sind außerdem verschiedene CSDs, natürlich die Gamescom und mindestens noch die Polaris in Hamburg. Eigene Events werde ich ankündigen, sobald es soweit ist!

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Thema: Aktuell

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